AMIGA ASCII ART (2013) | PLATINE | Festival für elektronische Kunst und alternative Spielformen in Köln-Ehrenfeld
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AMIGA ASCII ART (2013)

Ausstellende Künstler

Mit seinem ersten Modem fing Dipswitch 1996 an, stundenlang in den regionalen BBSs herumzuhängen, und war fasziniert von den aus derart minimalen Mitteln zusammengesetzten Ansi- und Ascii-Grafiken, die er dort vorfand. Der graphisch interessierte, sich jedoch bislang eher dilletantisch an Graffiti versuchende Teenager sah ein neues Betätigungsfeld für seine Begeisterung für Buchstaben und Logos – doch es sollte noch Jahre dauern, bis er das Herumwurschteln auf Neulingsniveau überwinden und einen eigenen Stil finden sollte. Um die Jahrtausendwende herum war Dipswitch schliefllich ein gefragter Ascii-Maler mit weitreichenden Kontakten in den verschiedenen Strängen des digitalen Untergrunds, und malte Logos, Infofiles und File_ids für Demoszene-Teams, Warezgroups und Hackerprojekte gleichermaflen. Dabei war er in unterschiedlichen Textmode-Zusammenhängen zuhause, war Mitglied von Amiga-Ascii-Crews wie “Arcade” und “Aerosol”, “legalen” PC-Artscene-Groups wie “Black Maiden” und “Mimic”, aber auch der überwiegend für die “illegale” Szene malenden Gruppe “Superior Art Creations” (SAC). Mit den Jahren des Erwachsenwerdens forderte das “echte” Leben seinen Tribut, die Szene-Aktivitäten ließen spürbar nach, doch auch noch 2013 lässt es Dipswitch sich nicht nehmen, gelegentlich auf Anfrage das ein oder andere Logo zu malen. Er sieht den auf dem Amiga geborenen, doch in seiner Anwendbarkeit universellen Ascii-Stil als Spielform des angewandten Designs, die unabhängig vom Tod der BBSs und der Anonymisierung der Warez-Szene weiter existieren wird, solange auch nur der geringste Bedarf nach den minimalistischen Textmode-Logos besteht. Attraktiv gerade an “Amiga-Ascii” findet er den Spagat zwischen Lesbarkeit und “Style”, dem sich gerade diese Ascii-Form stellen muss, wie auch den Umstand, dass die Buchstaben Ästhetik, statt “analog” existierende Fonts sklavisch nachzubauen, sich über Jahrzehnte aus den eigenen technischen Mitteln entwickelt hat.
Geboren in Berlin der frühen 7Oer Jahren und aufgewachsen mit den legendären Heimcomputern der Firmen: Atari, Schneider und Commodore. Inspiriert von der Graffiti-Kunst auf der Straße entwarf er ab Mitte der 8Oer für verschiedene Projekte in der Demo-Szene anfangs Grafiken in Form von Logo’s und Bannern. Die Faszination mit dem begrenzten Amiga-Ascii-Zeichensatz und eigener Kreativität, Digitale Ascii-Kunst zu erschaffen, ließ ihn Anfang der 9Oer auf dem Commodore Amiga für die BBS-(Bulletin Board Systems, dem Vorläufer des Internets) und Amiga Warez-Szene arbeiten. Er gründete die Gruppe “Unreal” und etwas später das wegweisende und für viele Ascii-Künstler das inspirationsgebende Ascii-Projekt “DEZiGN” mit Mitgliedern aus Deutschland, Sweden, UK und Finnland. Es entstanden die ersten sogenannten großen “Ascii-Collections” mit hunderten von Logos für die Szene. Der Ascii-Stil der damals benutzt wurde, wird heute oft als “Amiga Oldschool” bezeichnet. Commodore geht 1994 Pleite und viele Künstler verlassen das sinkende Schiff und die BBS-Szene wird in den laufenden Jahren vom World Wide Web immer mehr verdrängt. Doch entstanden bis hinein in die 2OOOer Jahren tausende von Ascii-Werken verschiedenster Künstler aus aller Welt. Um die Gruppe “DEZiGN” wurde es dann ab 1996 sehr ruhig. Erst 2O11 wiederbelebte man das legendäre Ascii-Projekt “DEZiGN” um der Generation von Heute zu zeigen wie Kreativ in der “Digitalen Kunst” schon vor 2O Jahren gearbeitet wurde.
dMG begann im Jahre 1996 Ascii Art zu malen, nachdem er von anderen Leuten Aussagen gehört hatte wie „alles wurde bereits gemacht“ und „alle styles sind nur remixe von alten styles“. Diese Aussagen reizten ihn genug um damit anzufangen seine eigenen Ascii Art Werke zu erstellen um diesen Leuten vom Gegenteil zu überzeugen. Nach einem mühseligen Einstieg in die Materie der Ascii Art hatte er ein Mittel gefunden sich selbst individuell auszudrücken, auf eine Art und Weise die einzigartig für ihn war und in dem er seine eigene Identität als Individuum verwirklichen konnte. Durch seine Involvierung in verschiedenen Untergrund Computer Szenen seit Anfang der 90er Jahre, hat er eine Vergangenheit im Bereich der BBS Szene. Er führe eine Amiga BBS und beschäftigte sich mit Linux Hacking und anderen Dingen dieser Natur. dMG ist also seit den frühen Anfängen der Ascii Art Szene unterwegs, und hat die Entwicklung bzw. das Aufblühen der Szene in den frühen bis zu den späten 90er Jahren miterlebt, sowie den Zerfall während der frühen 2000er Jahren. Durch seinen Sozialen Hintergrund, aus einer unteren Mittelklassen Familie aus einem Vorort von Stockholm stammend, verbrachte er sehr viel Zeit in den 80er Jahren auf den Straßen, und kam dadurch in Kontakt mit verschiedenen Formen von Street Art. Obwohl er nie selbst ein Graffiti Maler war, hatte es trotzdem einen enormen Einfluss auf ihn, und mit dem Allgemeinen Konsens mit dem Bezug auf die Zeitgenössische Ascii Art Szene, versuchte er nie bewusst Einflüsse von anderen Künstlern aufzunehmen. Im Laufe der Zeit, veränderte sich auch sein Style der durch eine Anzahl von Permutationen und Veränderungen lief. Diese Veränderungen sind oft mit Ängstlichkeit und Depressionen verbunden gewesen die aus seinem chaotischen Lebenstil und dem Gefühl von geringem Selbstwertgefühl hervorgingen. Obwohl dMG eine Menge Ascii Collections zwischen 1999-2005 veröffentlichte, blieben viele seiner Logos, die immer komplexer und abstrakter in ihrer Zusammensetzung wurden meist unveröffentlicht. Manche Leute verglichen Ascii Art mit Graffiti Tags, doch dies war nie dMG’s Ziel. Er sieht jedes seiner Ascii Logos als ein Eigenständiges Kunstwerk an, denn er arbeitet mehrere Stunden daran. Im Oktober 2010, veröffentlichte dMG die Endgültige Version seines Amiga Schriftsatz Pakets, mit nun 8 komplett skalierbaren Schriftarten in den gängigen Formaten. Sein Schriftsatz wurde auf mehreren Homepages wie die Ascii Arena, Linux Consolen und verschiedenen Projekten verwendet. In der Tat, verwendet jedes Stück Kunst in dieser Amiga Ascii Art Ausstellung eine oder mehrere seiner Schriftarten.
Trivial stammt aus Schweden und begann seine Reise im Amiga Ascii Art Bereich im Jahre 1992/1993. Er wurde offensichtlich sehr stark von der Kunst in Untergrund Amiga BBS Systemen beeinflusst, daher war es ein natürlicher Prozess für ihn, selbst auch Ascii Art auszuprobieren, da er auch zuvor schon als Graffiti Writer unterwegs war. Der Zusammenhang zwischen Ascii Art Buchstaben und Graffiti ergab sich von ganz alleine. Er malte Ascii um sich zu beschäftigen während er Dateien mit seinem 2400 Baud Modem zwischen verschiedenen Ländern und Kontinenten digital transportierte. Zu dieser Zeit dauerten Datentransfere noch eine sehr sehr lange Zeit, da die möglichen Daten-Geschwindigkeiten noch sehr limitiert waren. Im Jahre 1994 gründete er die Ascii Crew “Divine Stylers” zusammen mit dem Ascii Guru “Mortimer Twang”. Trivial veröffentlichte im laufe der Jahre über 50 Ascii Collections mit Logos und ziemlich verrückten Geschichten die er in seinen Veröffentlichungen schrieb. Er gibt zu, das die BBS Szene so wie sie damals existierte zwar tot ist (abgesehen von THE YARD, online since eversince), und somit alle Männer mittleren Alters die noch in diesem Business rumhängen es nur aus der Liebe zu Ascii machen. Heutzutage konzentriert sich Trivial auf die Musik, er produziert und legt häufig deep techno / ambient dub Musik auf und dekoriert gelegentlich die ein oder andere Wand mit Farbe. Doch trotzdem findet er ab und an noch Zeit Ascii Arbeiten für alte Freunde zu erstellen, Private Projekte oder auch zufällige Anfragen und veröffentlicht noch ab und an Ascii Collections gefüllt von ‘errorism’.
Zaner begann im Jahre 1995 sich mit Ascii Art zu beschäftigen als er zum ersten Mal in Kontakt mit der BBS Szene kam. Er wählte sich mit seinem Modem in verschiedene, teilweise geheime Systeme ein und erkannte seine Leidenschaft für die Ascii Art. Durch seine Einflüsse aus dem Graffiti Bereich, sind seine Ascii Buchstaben sehr wild und abstrahiert im Vergleich zu dem was es sonst zu der Zeit gesehen hat. Er war ausserdem dafür bekannt seit 1996 eines dieser Untergrund BBS Systeme zu führen, als Sysop von THE YARD, einer renomierten BBS war es ihm möglich Kontakt mit vielen Menschen aus dem Warez Untergrund sowie Top Ascii Artists herzustellen und diese für sein System zu begeistern. Es entstand eine große, jedoch nur im Untergrund bekannte Platform die es ermöglichte mit vielen dieser Ascii Artists, Crackers und anderen Personen in Verbindung zu treten. Zaner war sehr daran interessiert die BBS Szene auch trotz des wachsenden Internet am Leben zu erhalten, auch wenn es zum Ende hin nur noch um den Spass an der Optik ging und es seinen Ursprünglichen Nutzen verloren hatte. Sein Ascii Style war schon immer dadurch ausgezeichnet, dass seine Herangehensweise mit seinem Graffiti Hintergrund es erlaubte sehr individuelle Logos zu entwickeln und nicht Buchstaben wie einen Font wiederzuverarbeiten, jedoch lediglich Markante Buchstaben und Design Elemente einzusetzen und einen Wiedererkennungswert zu schaffen. Zaner ist heute auch teilweise noch aktiv, jedoch tritt er meistens nurnoch auf Veranstaltungen wie die Evoke in Köln oder der Datastorm Party in Schweden auf. Er beschäftigt sich auch viel mit Grafik sowie Musik und freut sich immer seine Freunden zu treffen und neue Ideen zu verwirklichen.
aBHO gehört der Ascii Gruppe tWiStED und der Amiga Demogruppe dAMONEs an. Seine ersten Schritte auf dem Gebiet der Ascii Art machte er in Zusammenarbeit mit der Gruppe iNHALE. aBHO stammt aus Karhula, Finland und war zuvor unter dem Pseudonym aBHORRENCE bekannt. Diesen Name wählte er zufällig in dem er in einem Wörterbuch nach einem passenden Namen für ein Heavy Metal Projekt suchte. Seit ca. 1995 oder 1996 begann aBHO Amiga Ascii zu malen, nach dem er durch einen seiner Freunde damit in Berührung kam. Sofort erkannte er diese Kunstform als etwas ganz besonderes an, und liebte Ascii von seinem ganzen Herzen, als wäre es sein eigen. Seit jeher malte er für verschiedene Projekte Ascii’s, BBS Systeme, Demoszene sowie Warezgruppen, Parties, Websites und vieles mehr. aBHO ist ein die-hard underground Artist.

DEUTSCH

Dieses Jahr startet auf der PLATINE 2013 eine Amiga Ascii Art Sonderausstellung in der Zoo-Schänke. In Zusammenarbeit mit Orkan Meydan werden diese Textmode-Grafiken von verschiedenen Künstlern zusammengestellt und neu visualisiert. Durch verschiedene Druckformen werden die nostalgischen virtuellen Bilder in die Realität übertragen und der Öffentlichkeit auf individuelle Weise nähergebracht – von Buchstaben über Figuren bis zu hin zu kompletten Comic-Geschichten und abstrakten Wild-Styles.

Was sind die Wurzeln der Amiga-Ascii-Szene, wofür wurden die Logos verwendet, wo finden sich heute noch Anwendungbereiche? In Zusammenarbeit mit dem Amiga-Ascii-Kollektiv Divine Stylers und der Amiga-Demogruppe Up Rough, und unterstützt vom Portal AsciiArena.com, präsentiert Orkan Meydan eine Reise durch die Geschichte einer vergessenen, doch keineswegs toten Kunstform von ihren Anfängen bis heute.

In den späten 1980er-Jahren, als der Commodore Amiga die Jugendzimmer bevölkerte, entwickelten kreative Teenager unter Einfluss von Graffiti und Bandlogos darauf eine ganz besondere Kunstform – Amiga Ascii Art. Es sind Schriftzüge oder Figuren, die aus (Back-)Slashes, Binde- und Unterstrichen und ähnlichen Symbolen aus dem Computer-Zeichensatz bestehen. In Zeiten langsamer Modem-Geschwindigkeiten bildeten solche Grafiken das visuelle Grundgerüst der Bulletin Board Systems (BBSs), der Urform digitaler Vernetzung, in denen Computerfreaks miteinander kommunizierten und die neusten Programme austauschten – umgeben von Grafiken aus Strichen und Satzzeichen. Doch auch nachdem der Amiga-Computer wie auch die BBSs in der Versenkung verschwunden waren, blieb Amiga Ascii als spezifisches Stilmittel bestehen und lieferte der Demoszene wie auch dem Warez-Untergrund Logos und Designs für Textdateien.

Heutzutage, wo die BBS Systeme fast ausgestorben sind, ist das bekannteste öffentliche Portal im Internet die “AsciiArena.com” Webseite. Sie ist mittlerweile eine große Platform geworden die es erlaubt über tausende alte Ascii Releases in dem Amiga-Original-getreuen Format zu verfügen und diese online, mit den entsprechenden Schriftarten anzuschauen und auch neue Produktionen zu veröffentlichen.

ENGLISH

This year at the PLATINE 2013 we are holding an Amiga Ascii Art Special Exhibition at the Zoo-Schänke. In cooperation with Orkan Meydan we will compile these textmode-graphics from various artists and visualize them in a new way. By using various printing techniques we will transform these nostalgic artworks into the reality and introduce them to the public in individual ways – from letters to characters up to complete comic-stories and abstract wild-styles.

What are the roots of the Amiga-Ascii-Scene, what are these logos being used for, where do we still find areas of application these days? In cooperation with the Amiga-Ascii-Collective Divine Stylers and the Amiga-Demogroup Up Rough, supported by the Portal AsciiArena.com, Orkan Meydan presents a journey through the history of an almost forgotten, but by no means dead artform from its beginnings to the present.

In the late 1980’s, as the Commodore Amiga populated the youth rooms, creative teenagers developed a very special artform with the influence of Graffiti and Bandlogos – Amiga Ascii Art. These are written logos or characters, which are made of (back-)slashes, hyphen, underlines and other similar symbols of the computer charset. In times of slow modem-speeds these graphics formed the framework for Bulletin Board Systems (BBSs), the original archetype of digital networking, in which computerfreaks communicated with each other and exchanged the latest programs – surrounded by graphics made of lines and punctuation marks. But soon after the Amiga-Computer as well as BBSs vanished from the surface of the digital world, Amiga Ascii remained as a special element of style and supplied the demoscene as well as the warez-underground with logos and designs for textfiles.

These days, as BBS sytems have almost died out, the most publicly known portal on the internet is the „AsciiArena.com“ Website. Meanwhile it has become the largest platform holding over thousands of old Ascii releases in their original Amiga textfile format, and allows to view these online in their appropriate font and the ability to publish new productions.


Kuratiert von Orkan Meydan
Weitere Links: Ascii Arena // Up Rough // Divine Stylers // True School // DeZign